La Strada 2026: Graz wird neun Tage lang zur großen Bühne
Auf dem Hauptplatz drehen Artist:innen auf Fahrrädern ihre Kreise, im Augarten treffen Rollschuhe auf Celloklänge und in Reininghaus erwacht die Geschichte einer traditionsreichen Zirkusfamilie zum Leben. Von 31. Juli bis 8. August 2026 bringt La Strada wieder internationalen Zirkus, Straßentheater, Tanz, Musik, Figurentheater und ungewöhnliche Performances nach Graz.
Neun Tage lang werden vertraute Plätze zu überraschenden Spielorten. Dabei setzt das Festival 2026 nicht nur auf spektakuläre Bilder, sondern verstärkt auf die aktive Beteiligung des Publikums. Unter dem Leitmotiv „teil:haben“ sollen Grazer:innen und Gäste nicht ausschließlich zuschauen, sondern an mehreren Produktionen selbst mitwirken. Viele Veranstaltungen im öffentlichen Raum können kostenlos besucht werden, für einzelne Bühnenproduktionen und Konzerte sind Tickets notwendig.

La Strada 2026 steht unter dem Motto „teil:haben“
La Strada lebt traditionell von der unmittelbaren Begegnung zwischen Kunst, Stadt und Publikum. 2026 wird dieser Gedanke noch weiter ausgebaut. Menschen liegen bei „Graz on the Move“ gemeinsam auf dem Boden und formen eine bewegliche Landschaft im öffentlichen Raum. Andere balancieren bei „Care to carry“ Steine auf dem Kopf oder musizieren am Freiheitsplatz mit einer internationalen Compagnie.
Das Publikum wird damit selbst zum Teil der Inszenierung. Die Produktionen entstehen nicht ausschließlich hinter verschlossenen Probentüren, sondern gemeinsam mit Menschen aus der Stadt. Workshops, offene Proben und partizipative Performances machen aus La Strada 2026 ein Festival, das nicht nur betrachtet, sondern körperlich und unmittelbar erlebt werden kann.
„Möbius“ eröffnet La Strada 2026 in der Oper Graz
19 Artist:innen zwischen Akrobatik, Tanz und Poesie
Den großen Auftakt bildet „Möbius“ des französischen Collectif XY und des Choreografen Rachid Ouramdane. Das 19-köpfige Ensemble verbindet Akrobatik, Tanz und Poesie zu einer eindrucksvollen Produktion über das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft.
Inspiriert wurde das Stück von den fließenden Bewegungen großer Vogelschwärme. Körper werden aufgefangen, weitergetragen und zu immer neuen Formationen zusammengesetzt. Einzelne Artist:innen lösen sich aus der Gruppe, bevor sie wieder Teil eines größeren Ganzen werden. Das minimalistische Bühnenbild schafft dabei viel Raum für die beinahe schwerelos wirkenden Bewegungen.
„Möbius“ ist am 31. Juli sowie am 1. und 2. August 2026 jeweils um 19:30 Uhr in der Oper Graz zu sehen. Die rund 65 Minuten dauernde Produktion wird ab acht Jahren empfohlen.
Circus Ronaldo erzählt in Reininghaus 180 Jahre Zirkusgeschichte
„Da Capo“ verbindet Nostalgie mit zeitgenössischem Zirkus
Ein besonderes Kapitel des Festivals wird in Reininghaus aufgeschlagen. Dort errichtet der belgische Circus Ronaldo sein Zirkuszelt und präsentiert mit „Da Capo“ die Geschichte der eigenen Familie.
Die Chronik reicht bis ins Jahr 1842 zurück, als ein 15-jähriger Junge mit einem Zirkus davonlief. Inzwischen steht die siebte Generation der Familie Ronaldo in der Manege. Historische Requisiten, authentische Zirkuswagen und Elemente der Commedia dell’arte treffen in der Produktion auf eine moderne, poetische Erzählweise.
„Da Capo“ ist am 1., 2., 3., 5., 6., 7. und 8. August 2026 jeweils um 20:00 Uhr im Zirkuszelt in Graz-Reininghaus zu erleben. Die Vorstellung dauert 90 Minuten und wird für Besucher:innen ab sechs Jahren empfohlen.
Fahrradballett und Open-Air-Party am Grazer Hauptplatz
Der Hauptplatz wird während La Strada erneut zu einer der größten Bühnen des Festivals. Mit „Musical Cycling Ballet“ verbindet die französische Gruppe La Bande à Tyrex Kunstradfahren und Livemusik. Neun Künstler:innen fahren komplexe Formationen, wechseln während der Vorstellung zu Posaune, Bass oder Mikrofon und lassen aus dem Fahrradballett nach und nach ein fahrendes Orchester entstehen.
Die 90-minütige Produktion ist am 1., 2. und 3. August 2026 jeweils um 19:00 Uhr am Hauptplatz zu sehen.
Zum Abschluss des Festivals verwandelt „Happy Hype“ denselben Platz in einen großen Dancefloor. Das Schweizer Collectif Ouinch Ouinch kombiniert Afro- und Hip-Hop-Beats mit Elementen traditioneller Tänze und moderner Clubkultur. Das Publikum wird dabei ausdrücklich zum Mittanzen eingeladen. Die Vorstellungen beginnen am 7. und 8. August 2026 jeweils um 21:00 Uhr, danach geht die Party weiter.
Ungewöhnliche Klänge ziehen durch die Grazer Innenstadt
Straßenkunst muss nicht immer laut oder spektakulär sein. Die französische Gruppe Décor Sonore geht mit „Chiche?!“ der Frage nach, wie Kunst in einer Welt ohne Elektrizität entstehen könnte.
Bei dem Walk-Act werden Gegenstände, Bewegungen und Geräusche der Stadt zu Instrumenten. Das Ensemble zieht durch die Innenstadt und lenkt die Aufmerksamkeit auf Klänge, die im Alltag meist überhört werden. Die Aufführungen finden am 6., 7. und 8. August 2026 jeweils um 11:00 und 17:00 Uhr statt. Für jeweils 30 Personen werden nach einer Anmeldung genauere Informationen zum Parcours bekannt gegeben.
Ebenfalls mit Klang und Bewegung arbeitet das kanadische Ensemble Le Patin Libre. In „Wheels & cello“ treffen zeitgenössischer Rollschuhlauf und Livemusik eines Cellisten aufeinander. Die halbstündige Produktion wird am 6. August im MURPARK und beim Bauernmarkt St. Peter sowie am 7. und 8. August auf der Augartenwiese gezeigt.
La Strada greift gesellschaftliche Themen auf
Unterhaltung und gesellschaftliche Auseinandersetzung schließen einander im Programm 2026 nicht aus. Die niederländische Gruppe Zwermers beschäftigt sich in „Worn Out?“ mit Kleidung, Erinnerungen, Fast Fashion und Überkonsum. Gemeinsam mit Grazer Performer:innen und der Caritas Steiermark entstand aus Kleidungsstücken lokaler Sammelcontainer ein textiles Stadtporträt.
Die Aufführungen finden am 1. und 2. August 2026 um 11:00 und 17:00 Uhr sowie am 3. August 2026 um 17:00 Uhr im ehemaligen Leiner-Gebäude in der Traungauergasse 7 statt.
Im Next Liberty zeigt Frédérique Cournoyer Lessard aus Kanada das englischsprachige Stück „SCUSE“. Die Produktion verbindet autobiografische Erzählungen mit Akrobatik am Luftring und setzt sich mit Weiblichkeit, Sexualität, gesellschaftlicher Prägung und binären Erziehungsmustern auseinander. „SCUSE“ ist am 4. und 5. August 2026 jeweils um 19:30 Uhr zu sehen und wird ab zwölf Jahren empfohlen.
La Strada 2026 bietet Programm für Familien
Auch Kinder finden im Festivalprogramm eigene Produktionen. Im Minoritenhof zeigt die Zitadelle Puppet Company Berlin das Figurentheater „Fuchs du hast die Angst gestohlen“. Erzählt wird von einem kleinen Fuchs, dem offenbar die Angst fehlt – und der auf seiner Suche erkennt, dass Mut ohne eine gesunde Portion Angst kaum möglich ist.
Das Stück wird für Kinder ab vier Jahren empfohlen und ist am 1., 2. und 3. August 2026 jeweils um 10:00 und 17:00 Uhr im Minoritenhof zu sehen. Weitere Vorstellungen finden bei Schloss Seggau und im MURPARK statt.
Am Abend ändert der Minoritenhof seinen Charakter. Von 2. bis 5. August 2026 wird der Innenhof zum Konzertsaal unter freiem Himmel. Auf dem Programm stehen Barockmusik, Solo- und Duoabende, eine französische Brassband sowie das Konzert „Ajvar & Sterz – für Findine“ von Nataša Mirković und Matthias Loibner. Der Einlass beginnt jeweils um 19:30 Uhr, Konzertbeginn ist um 20:00 Uhr. Bei Schlechtwetter wird im Minoritensaal gespielt.
Eintritt und Tickets für La Strada Graz 2026
Ein großer Teil der Aufführungen auf Straßen, Plätzen und in Parks ist kostenlos zugänglich. Tickets werden unter anderem für „Möbius“ in der Oper Graz, „Da Capo“ im Zirkuszelt, „SCUSE“ im Next Liberty und die Abendkonzerte im Minoritenhof benötigt.
Das vollständige Programm umfasst Spielorte in der Innenstadt, in Reininghaus, im Augarten, im Botanischen Garten, im MURPARK sowie in mehreren Gemeinden der Region. Da einige partizipative Veranstaltungen nur eine begrenzte Zahl an Plätzen bieten, ist für diese Produktionen eine vorherige Anmeldung erforderlich.
