Jobsuche und Arbeitsmarkt in Graz

Die Region Graz ist das größte steirische Ballungszentrum sowie der drittgrößte Zentralraum Österreichs – und somit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

In Bezug auf die gesamtsteirische Wirtschaftsleistung werden in Graz und Umgebung rund 40 Prozent erwirtschaftet. Graz verfügt über zahlreiche Leitbetriebe, die sich auf nationaler und internationaler Ebene einen Namen gemacht haben. Da stellt sich die Frage, warum die Arbeitslosenquote der Landeshauptstadt dennoch die höchste in der Steiermark ist.

Graz: Höchste Arbeitslosenquote der Steiermark

Man With Cardboard Sign Looking JobIm Jahr 2013 registrierte das AMS in Österreich nach nationaler Definition 287.200 Arbeitslose. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen um 26.600. Im Oktober 2014 waren in Österreich 8,1 Prozent von Arbeitslosigkeit betroffen. Im Bundesländervergleich lag die Arbeitslosenquote in Wien beispielsweise bei 11, 3 Prozent, in Vorarlberg nur bei 5,1 Prozent und in der Steiermark bei 7,2 Prozent.

In Graz ist die Arbeitslosenquote die schlechteste in der Steiermark –zum Teil sogar doppelt so hoch wie in ländlichen Regionen. In diesem Sinne gestaltet sich die Jobsuche in der Landeshauptstadt zunehmend schwieriger. Die Stimmen werden immer lauter, dass Graz seinen Arbeitsmarkt zukünftig aktiver gestalten müsse, um eine positive Veränderung in die Wege leiten zu können.
Weitere Infos: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/arbeitsmarkt/arbeitslose_arbeitssuchende/

Arbeitslosigkeit in Graz: Ursachenforschung

Im Sommer 2014 waren quasi neun Prozent der Grazer arbeitslos. Die hohen Arbeitslosenquoten sorgen vermehrt für Kopfzerbrechen. Nun wurde durch ein gemeinsames Studienprojekt der WKO Steiermark, der Stadt Graz, dem Arbeitsmarktservice (AMS) und dem Joanneum Research versucht die Ursachen zu erörtern und mögliche Lösungsansätze zu bieten.

Neben anderen Faktoren soll auch die äußerst dynamische Bevölkerungsentwicklung viel zu dieser problematischen Entwicklung beitragen. Die urbane Agglomeration Graz zählt zu den am stärksten wachsenden Zentralräumen in Österreich. Zwischen den Jahren 2003 bis 2013 betrug das Bevölkerungswachstum in Graz-Stadt etwa 13 Prozent.

Die interregionale und internationale Zuwanderung übt einen immensen Druck auf den Arbeitsmarkt aus. Doch in Hinblick auf die stetig wachsende Einwohnerzahl werden schlicht zu wenige Jobs geschaffen – insbesondere für Niedrigqualifizierte. In der Studie wird ein Vergleich mit Linz gezogen. Die Landeshauptstadt von Oberösterreich weist zwar eine ähnlich große Population auf – hier gibt es aber nur halb so viele Arbeitslose wie in Graz. Des Weiteren sind auch Unterschiede in der Wirtschaftsstruktur und bei der Handhabung von Arbeitsmarktinstrumenten (Schulungen) ausschlaggebend.

Lösungsansätze

Der Grazer Arbeitsmarkt müsste also unbedingt stärker entwickelt werden. Die Wirtschaftskammer fordert, dass das Land Steiermark den Fokus stärker auf den Grazer Zentralraum richten müsse. Letztendlich sei die Entwicklung der Stadt Graz bedeutsam für die Entwicklung des gesamten Landes. Zu den Forderungen zählen mitunter folgende:

  • Steigerung der Mobilität
  • mehr Gewicht auf wirtschaftsnahe Qualifizierungen
  • stärkere Integrationsmaßnahmen
  • Aufstockung des kooperativen Budgets des Landes
  • Betriebsansiedlungen
  • Bildung
  • Lehrlingsoffensive
  • Kinderbetreuung.

Die Zweiteilung des Arbeitsmarktes

Der Forschungsbericht des Joanneum Research zeigt, dass auch die unterschiedlich strukturierten Arbeitsmärkte für die hohe Arbeitslosenquote in Graz verantwortlich zeichnen. In Linz werden mehr Arbeitsplätze für Personen mit geringer Qualifizierung geboten, während sich der Grazer Arbeitsmarkt stärker an Forschung und Entwicklung orientiert, wodurch der Bedarf an hoch qualifizierten Arbeitskräften sehr hoch ist.

In Graz wird schon seit längerem eine dauerhafte Zweiteilung des Arbeitsmarktes beobachtet. Zum einen besteht eine stärkere Zunahme der Arbeitslosigkeit von Personen ohne Berufsausbildung, zum anderen steigt die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften stetig, die aber wegen des Fachkräftemangels nicht zu befriedigen ist. Etliche Unternehmen waren schon gezwungen Aufträge mangels qualifizierter Arbeitskräfte abzulehnen.

Wie reagiert das AMS auf die schlechte Arbeitslosenquote in Graz?

The Employment AdsDas AMS hat bereits mit einem Umbau des Schulungsangebots begonnen. Ausbildungen, die zu einem formalen Abschluss führen, stehen im Fokus. Allein in Graz werden pro Jahr etwa 635 Zugänge zu Lehrabschlüssen ermöglicht. Zudem werden über 100 Berufsausbildungen individuell über das Fachkräftestipendium gefördert. Des Weiteren kommen Modelle der arbeitsplatznahen Qualifizierung (AQUA) in Kooperation mit Firmen zum Tragen.

Noch nie wurden derart viele Berufsausbildungen für Jugendliche und Erwachsene über den 2. Bildungsweg finanziert. Für Qualifizierung werden rund sechs Millionen Euro eingesetzt. Bei den Langzeitarbeitslosen und den gering qualifizierten Personen werden die Zugänge in Beschäftigungsprojekte, z. B. ERFA, BAN-Ökoservice oder Bicycle, bis ca. 1000 erhöht.

Ein Blick auf die Branchen

Die Arbeitslosigkeit betrifft in Graz quasi alle Branchen. Die Situation kann als paradox definiert werden, da einerseits die Arbeitslosigkeit steigt, andererseits aber auch die Gesamtbeschäftigung im Land und das Arbeitskräfteangebot. Einige Zahlen im Überblick zur Verdeutlichung (Stand Juni 2014):

3177 offene Stellen beim AMS gemeldet
davon 1184 im Bereich der wirtschaftsnahen Dienstleistungen

  • Produktionsbereich: 321 offene Stellen
  • Bauwesen: 233 offene Stellen
  • Handel: 446 offene Stellen (ein Plus von 12 Prozent)
  • Gastronomie und Hotellerie: 447 offene Stellen (aber 5108 Personen als arbeitslos gemeldet).

Auf regionaler Ebene ist die Situation in den Bezirken, Bruck, Judenburg, Knittelfeld, Leoben und Mürzzuschlag am besten, während in der Oststeiermark und im Großraum Graz die größten Defizite zu verzeichnen sind.

Das Internet als Jobfinder

Das Internet ist sowohl bei der Suche nach neuen Arbeitsstellen als auch bei der Suche nach neuen Arbeitskräften kaum mehr wegzudenken. Online-Datenbanken führen Arbeitssuchende zu interessanten Jobs und unterstützen Unternehmen beim Ermitteln geeigneter Bewerber. In diesem Sinne suchen auch zahlreiche Grazer im Web nach einem neuen Arbeitsplatz.

Abgesehen von der Website des AMS (http://www.ams.at/service-arbeitsuchende) finden sich viele weitere Online-Portale, wie etwa http://www.stepstone.at/jobs/Graz.html, die kostenlos genutzt werden können, um einen passenden Job zu finden. Auch Facebook entwickelt sich als Stellenmarkt. Etwa in Gruppen wie share&care, Jobbörse Graz und ähnlichen werden immer wieder Jobs vermittelt.

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