Die spannendsten öffentlichen WCs in Graz: Weil Kreative überall nach Anregung suchen

Da Sie weiterlesen, hat Sie der zweite Halbsatz der Überschrift schon auf die richtige Spur gebracht: Kreative Menschen nehmen immer und überall Anregungen aus ihrer Umgebung auf – auch aus witzigen WCs, mit denen die kleine Stadt Graz gleich mehrfach Anregung bieten kann: Spacy, aufregend, innovativ: Ein bisschen mehr geht immer

Tipp 1. Echter Style verträgt Kontraste

Das Restaurant Café KLYO in der alten Münze Graz ist der erste Ableger des KLYO Wien und dem gleichen Thema verpflichtet: Die gleichnamige griechische Muse soll die Freude beim Besuch der Lokalität, dem Genuss der gesunden, hausgemachten Speisen + Getränke und dem Kauf der vielen verschiedenen Merchandiseartikel dienen.

Der stylische Innenbereich empfängt den Gast mit einer ruhigen Einrichtung, in der Erdfarben, Holz und Edelstahl eine Art lebendiger Zen-Atmosphäre erzeugen. Der kleine Vorgarten und der idyllische Gastgarten im Hof sind so gemütlich und sauber wie „typisch Österreich“. Die unteren Gewölbegänge erscheinen anfangs ebenso kühl und klar, bis im WC Klyos Freude an Farbe, Glanz und Überraschungen explodiert:

Neon-Lichtschlangen erzeugen metallisch gelb, pink, weinrot schillernde Wände, halbversteckte Gimmicks, Regendusche und Stein-Wasserbecken in Opferstätten-Größe erfreuen bei reinlicher Erleichterung … Dieses Gestaltungskonzept bietet eine gelungene Vorlage für krasse Stilbrüche, die wir in unseren Wohnungen viel zu selten wagen, und ein schönes Plädoyer für viel Komfort auf dem Örtchen.

Tipp 2. Weite in engem Raum

Mit der Murinsel wagte die Graz einen Neubeginn an und in der Mur, um den Auftritt der Stadt als europäische Kulturhauptstadt 2003 durch spektakuläre Milleniums-Architektur zu schmücken: Die Murinsel ist eine 50 m lange und 20 m breite netzartige Stahlkonstruktion mit 160 Tonnen Gewicht. Die halbe Muschel ist über Stege mit dem Ufer der Mur und einem extra neu gebauten Uferweg verbunden, um Touristen und Grazern direkten, schnellen Zugang zum Café unter dem gewölbtem Glasdach und der großen offenen Veranstaltungsfläche zu bieten.

Die Murinsel wurde durch Robert Punkenhofer initiiert, einem internationalen Art-Makler mit Grazer Wurzeln, der „seinen“ New Yorker Künstler Vito Acconci (Architekt und Installationskünstler) für das begehbare Inselprojekt begeistern konnte. Ein vielbewunderter Entwurf und ein großartiges, globales Projekt, das die Grazer endlich wieder mit der lange schwer verschmutzten Mur versöhnen sollte.

Die Baugeschichte der Murinsel spiegelt aber leider auch schon die zunehmende Unfähigkeit wider, mit der viele Bauvorhaben seit etwa der Jahrtausendwende infiziert sind … hier kurz und prägnant die schwierigen Entwicklungsstationen bis zum Fast-Untergang des 160-Tonnen-Kollosses. So ist das Auffälligste am WC auf der Murinsel eigentlich auch, dass die Planer das „stille Örtchen“ für ihre 350-Besucher-Location schlichtweg vergessen hatten.

Das Luxus WC wurde daraufhin von der Stadt Graz in nicht vorhandenem Raum eingebaut und wegen der Enge (zur Vorbeugung klaustrophobischer Anfälle) komplett verspiegelt. Nun ist es ein nicht mehr so globales, aber wirklich großartiges WC – und eine Steilvorlage zur optischen Erweiterung aller winzigen WCs.

Tipp 3: Gediegene Qualität entspannt

Gleich zwei der jüngst sanierten Toilettenanlagen im Haupthaus der Uni Graz wurden zu „all-gender“-Toiletten ausgerufen. Die Uni Graz zeigt damit, dass sie alle Menschen egal welches Geschlechts willkommen heißt und will zugleich ein deutliches Zeichen gegen cis-Sexismus setzen. Mehr dazu kann in den News auf UNIGRAZOnline nachgelesen werden, wo die Uni FAQs zu den all-gender-welcome-Toiletten veröffentlicht hat.

In Bezug auf die heimischen Sanitäranlagen bieten diese WCs wie alle frisch sanierten öffentlichen Anlagen eine kleine Ausstellung der neuesten, sehr lange haltbaren Sanitärobjekte. Der Vergleich mit dem Heim regt außerdem zur Entspannung im Gender-Diskurs an, weil sich dort schon ewig ein „all-gender“-WC befindet. Auch ohne Komplettrenovierung geht mehr!

Foto: Uni Graz/Pichler

Tipp 4: Komfort zieht immer

Wieder UNI Graz, wieder eine Neuerung, die sich andere gerne abschauen dürfen: Seit kurzem gibt es für die WC-Benutzerinnen an der Uni Graz sechs Spender mit kostenlosen Menstruationsartikeln. Und Gratis bedeutet hier noch nicht einmal „Masseneinkauf einer gerade noch erträglichen Qualität“, sondern feinste, nachhaltige Ware, die zum Teil von der Zwettler Firma „Erdbeerwoche“ gesponsert wird.

Der Staatlichen Hochschule geht es dabei um Gerechtigkeit, im heimischen Örtchen können Sie sich ganz auf den Komfort-Aspekt konzentrieren: Wenn ein gepflegtes, aber etwas langweiliges WC vorerst ohne Sanitär-Innovationen auskommen muss, sollten Sie es wenigstens mit allem dekorieren, was an diesem Ort gebraucht werden könnte.

Tipp 5: Extravaganz für’s WC

Das Grazer Cafe Mitte setzt ganz auf das gemütliche Sammelsurium aus alt, neu, improvisiert, das schon immer und auch gerade wieder sehr im Trend liegt. Die eigenwilligen Holzschiebetüren des WC passen so gut zum Ort und zur bunten Mischung von verschiedensten Möbeln, Hängeleuchten, Bildern, dass sie vom Vorgänger „eggers“ übernommen wurden (der sie wiederum vom ursprünglichen, legendären „Fink“ übernommen hatte).

 

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Innen und Drumherum wurde das stille Örtchen allerdings mächtig aufgerüstet: Bei den Damen sorgen bunte Discolichter für eine nicht ganz typische Stimmung, beiden Geschlechter werden Hörbücher mit Krimis, Sprachkursen und saftiger Erotik geboten. Auf der Herrentoilette wartet eine Stickerwand auf kluge Pickerl-Botschaften, die sicher bald von klugen Damen geentert wird …

Hier lautet die Anregung ganz klar: „Mehr Service rund ums WC für mehr Spaß auf der Toilette“. Das lässt sich auch nur mit Kreativität und Fantasie realisieren, ein kleiner Blick auf die neuesten WC Innovationen kann aber sicher beides beflügeln.

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